Sonntag, 14. Juni 2009

Also? Warum nicht mal gehen?

Ich erinnere mich noch genau. Ja ich weiß es noch. Als ich noch klein war, da rief meine Mutter mich immer. Immer wenn ich etwas angestellt hatte. Später erzählte sie mir stolz, dass sie mich unter anderem Alexa genannt hatte, weil man den Namen nicht verniedlichen konnte. Aber auch weil man ihn nicht wirklich unfreundlich rufen konnte, so wie meine Cousine: Susiiiiiiii! Wieder später wurde ich gerufen von Freunden, die Hilfe brauchten. Oder auch von Familienmitgliedern, die mich sehen wollten. Und wieder später, als ich schon hier in Trantow wohnte, da rief mich Frau Reschke, in den OT, in den Schrägen Freitag. Und mit der Zeit hörte ich auch, dass mich noch jemand rief. Es war Jesus. Ich hatte viel von ihm gehört. Über Frau Reschke aber auch über viele andere Menschen und durch die Bibel, Gottes Wort. Denn jetzt hatte ich auch begonnen, sie zu lesen. Viele hatten mich schon gerufen, doch dieser eine Ruf, der hat mich besonders beeindruckt.

Dieser Ruf steht im Matthäusevangelium im 28. Kapitel unter den Versen 16 bis 20. Ich möchte sie ihnen hiermit noch einmal lesen: „Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Dieses Wort habe ich schon oft gehört. Und mindestens genauso oft darin auch den Ruf. Doch über das Arbeiten an diesem Text ist mir noch viel mehr aufgegangen. Man kann das Ganze in drei Teile gliedern. Zum einen: Wir wurden gerufen! Wie die Jünger Jesu gerufen wurden, hin zu diesem Berg. Wurden und werden auch wir gerufen. Immer wieder kündigte Jesus seinen Tod an, aber auch seine Auferstehung! Und im selben Atemzug sagte er auch immer wieder seinen Jüngern, diesen seinen engsten Vertrauten. Dass sie nach seiner Auferstehung an diesen Berg kommen sollten. Leider ist nicht bekannt, welcher der vielen Berge in Galiläa gemeint ist, aber eines ist klar. Er war schon damals geschichtsträchtich. In seiner Nähe hatte Jesus Wunder gewirkt und gelehrt. Hierhin sollten seine Jünger zurückkehren nach seiner Auferstehung und sie taten, was er ihnen gesagt hatte. Bemerkenswert nicht wahr? Er hatte sie damals gerufen und jetzt kamen sie, jetzt wo so vieles Schreckliches und Verwunderliches passiert war. Sie hörten auf seinen Ruf. Auch uns ruft Jesus an diesen Platz. Auch wir sind seine Jünger. Auch wir haben diesen Ruf schon oft gehört und gelesen. Es ist nur die Frage, liebe Gemeinde, würden wir auch gehen? Nachdem wir gesehen haben wie Jesus starb und wie wir den Auferstandenen erlebt haben? Würden wir an den Berg gehen? Als Kind hätte ich erwartet, dass man mich ruft, weil ich mal wieder was verbockt habe oder dass jemand etwas von mir möchte. Bei letzterem bin ich gerne gegangen. Jesus hat uns gerufen. Jeden einzelnen. Durch sein Wort und seine Taten. Hat er uns gerufen jeden einzelnen von uns. Und was passiert wenn wir dann da sind? Wenn wir auf ihn gehört haben? Ja dann stellen wir fest, dass wir doch was verbockt haben oder nicht? Die Jünger haben das getan was ihnen auf dem Herzen lag: „Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.“ Das fand ich schon immer heftig. Da sehen sie ihren Meister wieder, den, mit dem sie so viel Zeit verbracht haben. Der, der immer auf einer Stufe mit ihnen stand und doch irgendwie nicht. Sie gehen vor lauter Ehrfurcht in die Knie. Sie sehen Jesus und werfen sich in den Staub, wie vor einem großen Herrscher. Wie gehen wir mit ihm um? Aber ganz menschlich: einige zweifeln. Wie gehen wir denn heute mit Jesus um? Wie oft missbrauchen wir Gottes Namen? Wie oft beten wir einfach mal so mit den anderen mit, ohne uns bewusst zu sein, mit wem wir sprechen? Wie schnell wird ein Gebet zur Tradition? So schnell ist man sich nicht mehr bewusst wer Jesus ist und wie viel Ehre im gerecht wird. Im Märchen würde der König denjenigen verbannen lassen oder noch schlimmeres. Jesus ist anders. Wir wissen nicht, wer oder wie viele zweifelten. Es waren ja so oder so nur noch elf von den ehemaligen zwölf. Judas fehlte, er hatte Jesus verraten. Und nun zweifelten auch noch einige. Es wurden immer weniger. Und Jesu Antwort darauf?

Das ist der nächste Punkt. Jesus kommt mit einem Auftrag zu uns! So heißt es im Text: „Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Jesus kommt auf die Jünger zu und spricht zu ihnen. Da ist nichts von Ärger zu lesen über die Zweifel. Es fügt sich nahezu direkt an. Die Jünger geben Jesus die Ehre. Beten ihn vielleicht auch an und Jesus spricht zu ihnen. Jesus ruft uns nicht nur. Nein er kommt uns auch entgegen. Er will uns etwas mitteilen und geht mit uns einen Weg zu seiner Botschaft. Als wenn er uns an die Hand nimmt, geht er mit uns ganz kleine Schritte. Er ruft, wir dürfen kommen. Wir erkennen ihn und geben ihm die Ehre und er kommt auf uns zu und spricht zu uns. Ein wundervolles Zusammenspiel. Alles ist wie eine einzige Vorbereitung von uns auf das, was kommen soll. Wenn es auch nur mit dem kleinen Ruf begonnen hat. Und so ist es in der Tat.

Er knallt ihnen es nahezu an den Kopf: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Und es ist wichtig, dass er das sagt. Es macht so vieles einfacher. Es klärt einiges. Diese Worte machen klar, wer er ist. Denn er ist der Sohn Gottes. Nur Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, kann Jesus diese Macht gegeben haben. Und wem sollte Gott diese Macht sonst geben als nicht seinem Sohn? Aber noch etwas wird klar. Nur jemand der diese Macht hat, kann auch wissen und lenken, was hier passiert. Nur jemand der diese Macht hat, kann die Menschen so bewegen, dass sie seinem Ruf folgen und vor ihm zu Boden gehen. Nur er kann auch der sein der alles Folgende unterstützt und leitet. Er ist der, der Macht hat in dieser Welt. Wissen auch wir das immer? Oder geben wir in unserem Denken und Handeln nicht oft anderen mehr Macht. Sprechen wir nicht Anderen zu gewaltige Macht zu haben? Geld regiert die Welt. Wie oft habe ich diesen Spruch schon gesagt und auch geglaubt. Aber dem ist nicht so wenn wir in die Bibel schauen. Die Arbeit bestimmt das Leben? Das muss nicht sein. Jesus hat die Macht. Er ist Herr der Welt. Er hat sie von Gott und da können wir sie ihm nicht absprechen. Auch nicht mit unseren Sprichworten.

Deshalb, weil er diese Macht hat kann er uns auch schicken, kann uns senden. Nichts anderes bedeutet ja dieses große Wort Mission. Nicht zu Unrecht verbinden wir ja Mission mit der großen weiten Welt und fremden Ländern. Denn Jesus sagt hier zu uns und seinen Jüngern: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Er schickt seine Jünger weg. Er schickt uns weg. Gerade gekommen und freudig über die Tatsache, dass Jesus wieder da ist, schickt er sie wieder fort. Aber das ist der Grund warum er seine Jünger, warum er uns, gerufen hat. Deshalb dieser Riesenaufwand nach seiner Auferstehung. Ich meine er hätte ja auch schon vorher sagen können, so wie er es getan hat. Geht zu den Menschen und erzählt ihnen von mir. Das hat er aber nicht. Die Menschen mussten durch seine Auferstehung seine Macht und seine Gottessohnschaft erkennen. Mussten begreifen im wahrsten Sinne des Wortes wer er ist. Und nun kann er sie auch schicken. Hinaus in die Welt. Zu allen Völkern. Das hieß zu allen anderen außer den Juden. Also zu allen außer dem direkten Umfeld, alle außer der eigenen Kultur und Gesellschaft. Ein wahnsinnig großer Schritt. Würden wir das heute tun? Jesus sagt uns, dass wir, seine Jünger, zu all den anderen gehen sollen und sie wiederum zu seinen Jüngern machen. Das kostet echt Überwindung. Zu jemandem zu gehen, der völlig oder auch nur ein wenig anders ist als man selbst. Und dann diesem Menschen von dem zu erzählen, was man glaubt. Das kostet Kraft. Vielleicht hat man Angst, vielleicht aber finden wir auch eine Ausrede. Ich hab keine Zeit. Ich kenne ja niemanden. Ich kann schon so nicht mit Menschen reden. Oder vielleicht auch ich rede eh schon zu viel. Oder auch die Frage: Wie soll ich das denn machen? Ich kann das nicht. Aber Jesus hat Macht und er kann das alles überwinden. All unsere Zweifel und Ängste kann er überwinden. So wie er die Zweifel der Menschen seiner Zeit überwunden hat. Ja er hat die Zweifel der Jünger hinter sich gelassen. Er ist der Auftraggeber. Und er entlässt uns nicht planlos in unseren Auftrag. Wie James Bond bekommen wir auch genau gesagt, was wir tun sollen und wie und sogar gleich die Hilfsmittel dazu. Damals sagt er etwas zu seinen Jüngern, was bis heute praktiziert wird. Er gibt uns im Missionsbefehl einen weiteren Befehl, den Taufbefehl. Oft gehört und vielleicht nie weiter darüber nachgedacht. Jesus sagt uns hier, um sein Jünger zu werden muss man getauft sein. Und zwar nicht nur irgendwie. Oder wie die Juden, die eine ähnliche Taufe hatten wie wir heute in manch einer Gemeinde. Eine Taufe als religiöse Reinigung und Buße beim Übertritt zum jüdischen Glauben und auch zwischendurch. Doch die Taufe die Jesus hier anspricht ist anders. Sie erfolgt gemäß seinen Worten: „im Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes“ Das ist keine reine Bußtaufe und auch keine Vorbereitung auf ein weiteres Ritual. Nein! Das ist das Übergeben eines Lebens, eines ganzen Menschen, in die Hände des Dreieinigen Gottes. Das ist es, was in der Taufe passiert. Gott nimmt sich dem Täufling an und nimmt ihn in seinen Schutz und unter seine Fittiche. Jesus sendet uns als seine Jünger um den Menschen nicht nur von ihm zu erzählen, sondern sie auch zu taufen in seinem Namen und dem seines Vaters und des Heiligen Geistes. Alle Menschen sollen unter Gottes Schutz und in seiner Liebe leben. Das ist doch nicht meine Aufgabe, schoss es mir damals durch den Kopf, als ich das zum ersten Mal gelesen oder gehört hatte. Dafür ist mein Pastor zuständig. Aber dann wurde mir etwas klar. Nicht nur, dass ich auch eine Nottaufe kurz vor dem Tod einer Person durchführen darf. Nein, mir wurde auch bewusst, dass wenn ich diesen Schritt ganz allein meinem Pastor überlassen würde dann könnte der das gar nicht alles schaffen. Ich spreche hier nicht davon, dass ich damals selbst taufen wollte. Aber wer soll denn den Menschen von Jesus und von der Taufe erzählen, wenn nicht wir? Den Akt der Taufe kann denn auch gerne der Pastor übernehmen. Aber es geht noch weiter. Nicht genug, dass wir die Menschen taufen sollen, nein sie sollen auch gelehrt werden. Und nicht irgendwas. Oder so ein Sammelsurium an Religion was man so heutzutage in vielen Fernsehsendungen vorgesetzt bekommt. Nicht aus jeder Religion, das was uns gefällt, sollen wir lehren. Nein das Evangelium sollen wir weitergeben. Die gute Nachricht von Jesus Christus soll die Menschen erreichen. Wir haben sie in so vielen Formen um sie weiterzugeben. Wir müssten diese Chance nur ergreifen und nutzen. Jesus sagt uns: „lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Aller Anfang ist schwer heißt es, doch das dabei Bleiben ist schwerer. Das ist so wahr. Ich selbst habe es am eigenen Leib erfahren. Wie schwer es ist mit dem Lästern aufzuhören zum Beispiel und wie schwer es sein kann wirklich Vater und Mutter zu ehren. Es ist gut und wichtig das Evangelium zu hören immer und immer wieder. Aber das dabeibleiben ist mindestens genauso wichtig. Und deshalb ist es besonders für junge Christen, egal wie lange sie schon auf dieser Welt leben, so elementar wichtig, dass sie jemanden haben, der sie lehrt. Jemanden zu haben der ihnen zur Seite steht, wenn es nicht so einfach ist sich nach dem Evangelium zu richten. So wie es wichtig ist zu erkennen, dass Jesus uns begleitet und uns hilft, dass zu halten was er uns gab. Jesus sendet uns um den Menschen von ihm zu erzählen und ihnen seine Botschaft zu geben, damit sie getauft werden und bei ihm bleiben.

War ein harter Brocken an Information was Jesus da alles zu verlangen scheint von uns einfachen Menschen. Und das ist es auch. Mission bedeutet immer hinausgehen. Den Ruf hören, darauf zu reagieren und dann mit Jesus an der Seite auf andere Menschen zuzugehen ist nicht leicht, aber machbar. (Eventuell Verweis auf Missionar der Fragen beantwortet). Und das schöne ist, dass er uns dabei nicht allein lässt. Denn der letzte Vers des Textes ist eine ganz besondere Zusage an uns: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Nach all der Mühsal und Quälerei vielleicht. Zu den Ängsten und Sorgen, die dieser Anspruch vielleicht in uns ausgelöst hat, spricht Jesus seine Zusage an uns. Er sagt es uns ganz direkt. Wir sind nicht allein, egal was passiert. Jesus ist bei uns und das nicht nur in guten Zeiten oder wenn wir uns vorbildlich benehmen. Ob wir nun gezweifelt haben oder nicht. Er hat uns alle angesprochen. Alle ohne Ausnahme. Er wird immer da sein. Sogar bis an das Ende der Welt. Das ist nicht nur an die Jünger gerichtet, das ist auch eine Botschaft ganz besonders für uns heute. Jesus wird für uns da sein, bis an das Ende der Welt. Er lässt uns nicht allein mit dieser Riesenaufgabe Mission. Er will mit uns durchs Leben gehen und uns begleiten wenn wir anderen Menschen von ihm erzählen. Ich finde das macht Mut. Mut auch mal anderen Menschen zu sagen, woran ich glaube. Auch wenn das nicht immer in einem offensichtlichen Missionsgespräch passieren muss. Lassen wir uns doch unseren Glauben im Alltag leben. Sodass jeder sehen kann, wie es ist mit Jesus zu leben. Lassen wir unser Leben ein Zeugnis von Gottes Liebe sein. Denn wir wissen, dass wir gerufen wurden und jetzt gehen dürfen um den Menschen von Jesus zu erzählen. Damit auch sie mit Jesus am der Seite leben können.

Amen.

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