Ruhe- wo suchen sie ihre Ruhe? Jeder Mensch braucht einen Ort an den er sich zurückziehen kann. Jeder Mensch sucht sich solch einen Ort. Manch einen verschlägt es in den Wald, oder in den Garten. Andere suchen Kapellen und Kirchen auf. Manch einer bleibt zu Hause auf der Couch und andere fahren ins Kloster um einen Ort der Ruhe für sich zu finden. Früher oder später findet jeder solch einen Ort des Friedens und der Ruhe für sich und zieht sich dorthin zurück. Mein Ort der Ruhe ist zum Beispiel mein Auto. Man sagt des Deutschen Auto ist sein Wohnzimmer. Meines ist mein Rückzugsraum, der Ort an dem ich denken und schreien kann, wo ich lache und weine und es mir kein Problem bereitet, denn es ist mein Ort. Diesen Platz suche ich besonders wenn ich allein sein will, allein mit Gott und mir selbst. Wenn die Emotionen kochen oder der Druck zu groß wird ziehe ich mich zurück. Das hat nichts mit Gemeinschaftsfeindlichkeit zu tun oder damit das ich nicht gern jemanden mit dem Auto mitnehme. Mein Auto ist meine Höhle. Manchmal zieht es mich selbst dorthin wenn gar nichts ist, aber es gibt mir Kraft von dort zu kommen. Das habe ich im Praktikum gemerkt, wie gut es tat zwischen den Christenlehrestunden auf dem Dorf oder in Altentreptow noch mit dem Auto zu fahren. Der Weg war meine Chance mit Gott in die Waage zu kommen und gerüstet zu sein für das was kommt. Als ich den Text las für die heutige Andacht erinnerte ich mich daran, an dieses Gefühl: gestärkt aus dem Auto zu steigen nach einer Zeit mit Gott. Lukas beschreibt im 22 Kapitel folgende Szene:
„Und er ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt! Und er riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!“
Lukas spricht hier nicht vom Garten Gethsemane als den Ort an den sich Jesus zurückzieht. Es scheint klar zu sein. Jesus zieht es nach dem Abendmahl und einigen Auseinandersetzungen durch Klärungsbedarf zurück. Zurück an einen gewohnten Ort. Der Ölberg schmiegt sich um Jerusalem und im Garten auf fast 600 m Höhe dürfte der gröbste Trubel des Passahfestes mit dem Wind in den Olivenbäumen verrauscht sein. Für Jesus war dieser Berg ein bekannter. Hier hatte er schon seine Endzeitreden gehalten. Mit diesem Ort und seiner Ruhe verbindet Jesus etwas. Dies ist sein Ort für die Ruhe vor dem Sturm. Jesus weis, dass er sterben wird und versteckt sich nicht. Er geht dahin wo er gefunden werden kann, ganz einfach. Wenn Judas ihn nicht im Haus findet dann hier im Garten. Es ist keine Flucht in die Ruhe. Es wird ein letztes Kraft holen. Und die Jünger folgen ihm. Für mich scheint das wie unser folgen heute. In der Passionszeit versuchen wir nachzuvollziehen was Jesus für uns erlitten hat und streben danach nichts zu vergessen. Wir folgen ihm auf den Versen (Versen mit V!). Es ist als wenn auch wir jetzt mit ihm in den Garten gehen auf diesem Berg, aufgewühlt durch die vergangenen Ereignisse, alles geht so schnell. Und doch geht es voran und keiner von uns will Jesus allein lassen, wir wollen ihm folgen, in seinen Kampf aber auch in seinen Tod? Jesus gibt den Jüngern eine Anweisung: Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt! Und geht. Er geht nicht weit weg. Einen Steinwurf. Das bedeutet zwar nicht Sichtweite aber Ruf und Hörweite auch am Abend. Betet damit ihr nicht in Anfechtung fallt. Dieser Begriff Anfechtung hat für uns inzwischen viele Bedeutungen. Eine Krankheit oder ein Unfall, ein harsches Wort oder auch ein Stromausfall wird leicht als Anfechtung gesehen, als etwas das uns angeht vll auch verletzt. Doch was Jesus hier meint ist etwas anderes. Anfechtung ist ein auf die Probe stellen Gottes. Er erprobt seine Kinder immer wieder auf die verschiedensten Weisen aber immer um etwas zu provozieren, eine Reaktion des Menschen, ein Zeichen des Gehorsams oder der Bewährung und Läuterung. Das kann auf verschiedene weisen kommen Demütigung, falsche Propheten, die eigenen Begierden oder auch den Satan. Alle Versuchung geht von Gott aus. Auch wenn der Mensch ebenso Gott versuchen kann. Jesus weis darum, dass seine Jünger in eine schwere Zeit kommen. Wenn sie von ihm räumlich getrennt werden und er gedemütigt wird ist die Gefahr groß das sie von ihm abfallen. Der Raum für Überredunggen und Irrglauben für Erniedrigung und Kränkung ist groß jetzt wo sein Tod so kurz bevor steht. Seine Jünger sind nicht hart und taff wie sie vll denken und das weis er. Jesus bereitet seine Jünger vor hier vor Ort am Ölberg und gibt ihnen den ultimativen Tipp. Betet! Redet mit dem der es verhindern kann, bleibt dran an Gott. Vergesst Gott nicht, Betet damit ihr nicht angefochten werdet und vom Weg abkommt. Er weis das er bald nicht mehr greifbar ist für die Jünger und ein stückweit erleben sie es schon jetzt. Denn er zieht sich zurück. Auch wenn es ihm nicht leicht fällt sich in diesem Moment von ihnen zu trennen. Allein redet Jesus mit Gott. Lukas beschreibt diese Szene knapp.
„Und er riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.“
Jesus kniet nieder. Er bleibt nicht stehen wie es üblich war im Orient beim Gebet. Was er Gott zu sagen hatte war dringlicher, und er zeigte seine Demut vor Gott noch bevor er ein Wort sprach. Er bettelt nicht, er fleht Gott nicht an und droht ihm nicht oder will ihm alles ausreden. Jesus ist sich bewusst was kommen muss. Sein Tod. Und doch ist er Mensch und als Mensch verspürt er Todesangst doch er ist mehr als nur Mensch und lässt Gottes Willen geschehen. Wie als Antwort darauf kommt ein Engel und stärkt ihn. Wie das geschieht kann man nicht sagen. Aber klar ist Jesus bleibt nicht ohne Antwort. Jesus ringt mit dem Tod. Ein Ausleger schreibt das durch das Kommen des Engels der Kampf entschieden ist wenn auch nicht beendet. Der Kampf mit der Todesangst Jesu. Ja er ist noch nicht vorbei. Sein Beten wird immer intensiver denn sein Schweiß das Zeichen der Anstrengung fließt in dicken Tropfen. Jesus schließt ab mit seinem Leben. In der Ruhe dieses Ortes macht er klar wer er ist. Der Sohn Gottes, ganz Mensch, ganz Gott mit einem Auftrag. Der ergebene Sohn tut was der Vater ihm sagt, denn er weis das es das richtige ist. Wie geklärt wirkt er finde ich als er zu den Jüngern zurückkehrt.
„Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!“
Jesus kehrt zurück zu den Jüngern. Ein letztes Mal sieht er sie wohl an. Sie schlafen. Wie Kinder die vor Traurigkeit und anderen Gefühlen aufgewühlt so erschöpft waren das sie schliefen. Jesus weckt sie. Nicht um sie zu tadeln oder anzublaffen. Nein Jesus erinnert sie an seine Worte. Er erinnert sie an ihren Auftrag! Sie sollen beten. Ein wenig erinnert dieser Gebetsauftrag an das Vaterunser "und führe uns nicht in Versuchung". Ihr Auftrag ist es Gott in den Ohren zu liegen und die Verbindung zu halten, damit sie nicht verlorengehen. Hier geht es nicht um Fürbitte oder Dank für all die Dinge die wir als Jünger haben. Hier geht es um die Beziehung zu Gott. Auch wenn er nicht sichtbar ist und auch unklar ist was mit ihm passiert. Auch wenn es schrecklich erscheint und uns aufwühlt. Auch wenn er verraten wird und vor unseren Augen verleumdet unser Part ist das Gebet. Ich denke das ist bis heute so. In der Passionszeit schauen wir auf Jesus ganz besonders und auf das was er für uns gelitten hat. Und er war umsichtig. Er hat seinen Jüngern damals und heute einen Auftrag einen Wegweiser gegeben. Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt. Auch wir können uns zurückziehen an unseren Ruheort und die Verbindung halten, denn das ist was zählt, wir können nicht mehr tun als die Verbindung halten im Gebet. Die Retterrolle ist seit 2000 Jahren vergeben. Amen.