Freitag, 3. Dezember 2010


Gestern ging ich mehrfach in die Knie. Morgens früh um kurz nach sechs, weil ich auf dem Türsims vom Neuen Haus ausgerutscht bin. Ich war in meiner Freude über den Schnee nur mit dem Bademantel über den Schlafanzug und barfuß in den Hausschlappen hinuntergerannt und war so im staunen über die Schneemassen das ich doch glatt in die Knie ging, unfreiwillig, denn Schnee auf Fliesen ergibt glatt. Dann musste ich mal wieder so einige Dinge vom Boden aufheben, weil die Schwerkraft zu Zeit verstärkt durch meine Schusseligkeit größer geworden ist. Beim Abwasch dann musste ich in die Knie gehen um Geschirr in die Schränke auch unten bequem einräumen zu können. Und zu guter Letzt des Tages ging ich in die Knie unter der Arbeit die mich zu erdrücken schien und der Sorge, ob ich es schaffen würde mich die nächsten Tage zu überwinden und Auto zu fahren.  Viele Dinge zwingen uns die Knie zu beugen wie es im Lutherdeutsch heißt. Manchmal sind es Handgriffe die leichter gehen wenn man in der Hocke sitzt. Durch anderes wird man regelrecht gezwungen. Auch wenn ich niemandem wünsche dass es der Schnee ist. Manche Dinge kann man auch nicht wirklich gut verhindern, manch eine Sorge zum Beispiel die einem im Nacken zu liegen scheint und den ganzen Körper zusammendrückt. Schmerzen lassen uns zusammenrutschen und wie das Wort schon sagt wenn man die Knie beugt wird man klein. Das merke ich immer wieder ganz extrem an einem unserer Uchtis. Wenn ich sage er ist groß dann meine ich das auch, er ist sogar noch größer als Manuel und das konnte ich mir lange nicht vorstellen, dass sowas geht. Er hat durch seine Größe diverse Probleme vor allem mit Sitzgelegenheiten. Am 1. Advent ist mir dann wieder etwas aufgefallen. Der Mann kann mir wenn er kniet direkt in die Augen schauen. Und mir ist das unangenehm. Warum? Ich glaube das liegt nicht direkt an ihm. Das Knien ist von seiner Symbolik her eine Geste der Unterwerfung. Man kniete sich hin vor Menschen mit höherem Rang oder auch vor Gott ging man auf die Knie im Gebet. Vor Königen knieten die Ritter genauso wie das einfache Volk. Wenn man vor jemanden kniet stellt man ihn über sich. Ich mag das nicht wenn jemand vor mir kniet.  Warum das alles? In der Tageslese geht steht heute ein Text aus Matthäus 27: „Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium und sammelten die ganze Abteilung um ihn. Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!, und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt.“
Jetzt kurz vor Weihnachten bekommen wir hier einen Text zu lesen aus der Passion Christi. Das hat mich schwer schockiert. Dieser Moment in dem eine Gruppe von bis zu 600 Mann wie man heute vermutet Jesus demütigen. Es war eben so üblich die Verurteilten noch etwas zu quälen hörte ich einmal. Aber Jesus hatte es besonders hart getroffen: ein Soldatenmantel als Parodie zum Purpur der Könige, ebenso auch eine Krone und ein Rohr wie ein Zepter. Sie hatten ihn zu Recht gemacht wie einen König. Einen geschlagenen König! Solche Verspottungen sind seelische Vergewaltigung und Jesus hält es aus. Er erleidet es, heute wissen wir wofür. Er starb für uns, er litt es für uns, für uns und unsere Schuld. Aber in diesem Text ist noch etwas drin was mich aufhorchen ließ. Die Soldaten beugten die Knie vor Jesus, wie vor einem König und grüßten ihn als diesen. Auch wenn es vielleicht nur der Ausdruck war des römischen Judenhasses. War es doch ein Zeichen. Die Bösen, die Schlächter, die Jesus töten werden gehen vor ihm auf die Knie. Was würde ich darum gebe zu erfahren wie es ihnen ergangen wäre hätten sie gewusst das sie vor dem wahren König knien. Dass sie dem die Ehre erweisen dem sie gebührt.
Doch da schoss beim Lesen noch etwas durch meinen Kopf. So kurz vor dem Ende gibt es eine wunderschöne Parallele im Evangelium des Matthäus. „Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“
Die drei Weisen aus dem Morgenland suchen den König der Juden und finden ihn. Nach einer langen Reise finden sie über Irrwege das Kind in der Krippe und erkennen in ihm den König der Juden. Sie bezeugen diesen Glauben in einer einfachen Geste: sie fallen nieder und beten an. Diese Fremden setzen sich vor Jesus in den Staub und erniedrigen sich, denn sie ahnen das Gott dieses Kind geschenkt hat. Auch hier finden wir wieder Kostbarkeiten des Königtums, allerdings kommen diese Geschenke nicht aus Spott und Hohn. Es sind ehrlich gemeinte Gaben.
Vor Jesus sind viele in die Knie gegangen, seine Peiniger und Menschen die ihn angebetet haben gleichermaßen. In der katholischen Kirche geht man noch heute auf die Knie wenn man mit ihm redet und die Hände faltet. Vielleicht können wir die Spiritualität in dieser Geste wiederfinden und auch vor unserem König auf die Knie gehen, mental oder auch physisch. Es gibt viele Dinge die uns in die Knie zwingen aber es tut auch gut mal wieder neu das alte zu entdecken und diese ehrfurchtsvolle Geste vor unserem Retter am Kreuz der zu Weihnachten in unsere Welt kam einzunehmen.
Amen.

Dienstag, 30. November 2010

Zwischen Ewigkeit und Advent


Berga ist eine schöne Stadt. Besonders in dieser wunderlichen Zeit zwischen den Zeiten. Jetzt kurz nach dem Herbst, wo alle noch vom Sommerurlaub auf den Kanaren träumen, kann sich niemand mehr so genau erinnern wie es eigentlich sein sollte. Vor 30 Jahren noch sagen die Alten hat es im November schon ordentlich geschneit und man hat den Pferdeschlitten aus der Scheune geholt. Doch heute sieht die Stadt mit ihren kleinen Fachwerkhäusern traurig aus. Das Braun der Balken und grau der Wände scheint sich seltsam zu verbinden mit den blattlosen Bäumen und dem Laubmatsch am Straßenrand. Die vorbeifahrenden Autos spritzen das Wasser auf die Gehwege und es ist bitterkalt. „Langsam riecht es nach Schnee“ denkt sich Johannes. Auf dem Weg von der Schule nach Hause muss er durch die halbe Stadt, aber das stört ihn nicht. Er mag Berga und seine Häuser, auch wenn alles jetzt so verwaschen wirkt. Die Menschen die er trifft sehen müde aus und gehetzt, selbst ihre Mäntel sind grau und braun. Alles scheint eine Welt zu erschaffen die am Ende ist. Johannes schüttelt den Kopf „Wenn man sowas denkt kann man ja nur traurig werden. Nein das will ich nicht!“ murmelt er und geht noch ein wenig schneller um die Ecke nach Hause. Dort angekommen schmeißt er seine Schultasche in die Ecke und rennt in sein Zimmer. Er ist irgendwie niedergeschlagen von dem was er gesehen hat. Auf seinem Schreibtisch liegt noch die Tüte vom Sonntag. „Mama wird böse wenn ich nicht bald aufräum“ schnell geht er hin, schnappt sie sich, doch da purzelt etwas heraus. Ein rotes Windlicht aus Plaste mit so einem seltsamen Blechdeckel. Einen Augenblick schaut er es an und dreht es in den Händen. Es war eine Erinnerung, ein Mitbringsel aus dem Kindergottesdienst am letzten Sonntag. Heute war schon Freitag und es hatte die ganze Woche auf seinem Schreibtisch gelegen ohne das er es bemerkt hatte. Was hatte Frau Murik noch gesagt? Irgendwas über die Toten und das wir ihnen gedenken an so einem Tag am Ende des Jahres. Das hatte er nicht verstanden. Das Jahr war doch noch gar nicht zu Ende? Es war doch gerade mal November und es lag nicht einmal Schnee und Schule hatte er auch noch, das ergab alles keinen Sinn. „Was mach ich denn jetzt  mit dem blöden Ding?“ Als er das Windlicht so fragend in den Händen dreht fällt ihm ein was Frau Murik noch gesagt hatte.  Das wir  Christen nicht traurig sein müssen, wegen den Toten weil sie zu Gott kommen und das wir am Ewigkeitssonntag für die Verstorbenen auch nochmal das Grab schmücken und eine Kerze anzünden. Das findet Johannes schön, seine Oma hatte auch all die Jahre immer ein schönes Grab. Aber irgendwas war da doch noch, was er im Kindergottesdienst gehört hatte über das mit dem Ende.. Leise klopft es an der angelehnten Zimmertür. Johannes Mama öffnet sie und kommt herein:  „Johannes schön das du schon da bist. Hast du keinen Hunger? Ich kann dir schnell noch was machen.“ „Nein“ sagt er ganz niedergeschlagen. Da merkt seine Mama, was er in den Händen hält. Er hat nicht mal seine Jacke ausgezogen und steht da, mit dem Windlicht in der Hand. „Mama? Warum ist nach dem Ewigkeitssonntag das Jahr vorbei? Kommt da nichts mehr? Ist mit den Toten alles vorbei?“ Langsam geht Mama auf ihn zu, nimmt seine Hände in ihre und sagt: „Nach dem Ewigkeitssonntag beginnt ein neues Jahr. Jetzt am Sonntag ist der erste Advent. Da beginnt die Adventszeit. Advent heißt Ankunft. Ab da beginnt die Vorfreude auf Weihnachten! Wir warten auf Jesus und feiern dann seien Geburt im Stall.“ Als sie in Johannes Augen sieht sind da kleine Kullertränen. „Bin ich froh, dass nicht alles vorbei ist. Nach dem Tod warten wir auf das Jesuskind? Das ist toll. Dann ist es ja gut, wenn das Kirchenjahr auch mal vorbei geht“ Johannes grinst. „Diese Woche denken wir jetzt noch an die Verstorbenen des letzten Jahres und schmücken ihre Gräber noch einmal, viele stellen auch solche Kerzen auf die Gräber damit dort noch ein Licht leuchtet“ „Klingt irgendwie dann wie Advent da sind doch auch so viele Kerzen. Können wir meine Kerze auf Omas Grab stellen?“ Mama nickt. Später geht die ganze Familie zum Friedhof. Wieder durch das matschige Berga. Mama und Papa halten sich an den Händen und Johannes trägt das Windlicht. Plötzlich sieht Johannes etwas und bleibt stehen. Seine Eltern drehen sich um und schauen ihm fragend in sein geknautschtes Gesicht. „Warum machen die denn hier auf dem Marktplatz schon nen Weihnachtsmarkt? Das ist doch falsch. Wir denken noch an die Toten, Advent ist doch erst übermorgen?“ Liebevoll schaut seine Mama ihn an und setzt sich zu ihm in die Hocke. „Alle Menschen wissen das nicht so genau mit dem Kirchenjahr sie sind vielleicht keine Christen und wollen trotzdem Weihnachten feiern, so wie sie das kennen. Bei ihnen beginnt die Weihnachtszeit schon am Montag nach dem Ewigkeitssonntag und wir wollen ihnen doch den Spaß nicht verderben. Wir können ja trotzdem an Omas Grab gehen und ihr das Windlicht hinstellen.“ Johannes schaut nachdenklich hinüber zu dem beginnenden Trubel an den Ständen und Buden. Langsam machen sie sich wieder auf den Weg zum Friedhof. Der Gedanke lässt ihn nicht in Ruhe, warum man so früh diesen Weihnachtsmarkt macht. Als er das Windlicht auf das Grab seiner Oma stellt und anzündet spricht er ein kleines Gebet zum Jesuskind, das es ihm das doch erklären soll. Schweigend schauen alle eine Weile auf das Grab.  „Mama? Wenn das Kirchenjahr zu Ende geht gibt es dann auch ein Silvester in der Kirche? So als Abschied vom Jahr?“ Mama schaut ganz verdutzt „Hmm ich weiß nicht, theoretisch ja morgen, am Samstag am Tag zwischen Ewigkeit und Advent“ „Dann ist morgen Silvester und da können wir das alte Jahr nochmal feiern!“ sagt Johannes und freut sich. Es wird warm in seinem Herzen denn morgen kommt der Tag an dem der Übergang ist vom alten ins neue Jahr von Trauer in hoffnungsvolle Erwartung. Bald kommt das Jesuskind. Und plötzlich spürt er die erste Schneeflocke auf seiner Nase. Das neue Jahr beginnt dann also im frischen Weiß. „Das ist gut so“ denkt er und geht Hand in Hand mit Mama und Papa nach Hause.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Alles tun um Ihm zu gefallen?


Gedanken aus Köpfen beliebiger Christen: Ich gehe jeden Sonntag in die Kirche. Ich mache ab und zu den Kindergottesdienst. Ich helfe bei der Tafel. Ich mache jeden Morgen meine stille Zeit. Ich bin treuer Besucher der Bibelgesprächsrunde. Ich arbeite bei der Caritas. Ich schicke meine Kinder alle auf die evangelische Schule und in den evangelischen Kindergarten. Warum ich das mach? Na weil Gott das gefällt, er liebt mich wenn ich das tue, steht doch schon in der Bibel!
Ich kann aber nicht jeden Gottesdienst voll mitmachen, manchmal schlaf ich eben ein, da muss Gott denn ja nicht so genau hingucken. Wenn ich den Kindergottesdienst nicht mache macht den die Schulze *bah* die olle Schnäpfe! Die und mich verbindet nichts! Ich bin schon richtig gut, ich zwinge mich jeden Morgen zur stillen Zeit, da kann man wirklich stolz drauf sein wenn man das über Jahre durchhält, weil eigentlich schlaf ich gerne aus und könnte es beruflich auch. Gott liebt mich mehr wenn ich verstehe was in seinem Wort steht und wenn ich mich nicht mit der Bibel auseinandersetze wird Gott mich strafen! Da geh ich doch lieber zur Bibelstunde. Für die Caritas arbeiten ist toll, ich arbeite mit Menschen und kann ihnen helfen und ich musste mich nur taufen lassen um angestellt zu werden. Die Andachten nerven mich aber das nehm ich in Kauf denn neben meinem Gehalt bekomme ich ja noch Gotteslohn, ich komme bestimmt in den Himmel. Von wem meine Kinder sind das weiß niemand, noch nicht mal mein Mann ahnt, dass nur unser ältester von ihm ist, aber was solls, um des lieben Friedens willen.....
Ich bin mir bewusst es klingt absurd und überspitzt wahrscheinlich auch, diese Gedanken von beliebigen Christen. Aber wer weiß vielleicht ist es wahr, vielleicht gibt es Menschen die so handeln oder so ähnlich. Menschen die so leben und so glücklich sind mit dem was sie haben. Sie alle haben eines gemeinsam: sie suchen Gott. Oder besser sie leben mit Gott auf ihre Weise. Sie wollen in seiner Nähe sein und haben sich dafür alle eine Strategie zurecht gelegt. Jeder tut was er kann. Der eine hilft, der andere ist da, einer in seinem Job ein anderer durch seine familiären Entscheidungen. Alle versuchen sie Gott zu gefallen, etwas für ihn zu tun und ihm so nahe zu sein. Wollen wir das nicht irgendwie alle? In dem Moment in dem wir zu glauben beginnen zieht es uns in Seine Nähe. Zu ihm drängt es uns und Ihm wollen wir gefallen.
In der Bibel gibt es viele Passagen die Beschreiben wie Gottes Volk ihren Weg mit Gott zu finden versuchte. Viele wirre Wege sind sie gegangen so manch einen Fehler haben sie gemacht und sich immer wieder erinnern lassen. Viele Männer haben ihnen gesagt was Gott will und sie haben zugehört und gelernt um dann wieder zu verlernen oder ignorieren. Die Propheten berichten von Anbetung, Frieden und Hochzeiten aber auch von Konflikten zwischen Gott und seinem Volk. Lassen sie uns hinein hören in einen Ausschnitt des Buches Micha aus dem 6. Kapitel:

"»Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?« Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott."
Das war das Ende eines förmlichen Rechtsstreits des 7. Jh. vor Christi Geburt. Zwischen dem Volk Israel vertreten durch den Propheten Micha und Gott dem Herrn. Ein ganzes Kapitel lang hatte sich ein Rechtsstreit ausgetragen wie ihn Micha wohl kennen musste, denn er war ein Bauer aus einem kleinen Dorf nahe der Grenze der Philister. Ordentlich und sauber wird hier vom Ankläger wie auch vom Angeklagten alles vorgetragen was dem Streit Feuer gibt aber auch was ihn belegen könnte, wenn eine der Parteien einsehen würde. Nach alter Sitte hatte der Kläger das Volk Israel begonnen und dann Gott sich verteidigt. Zu den Argumenten: die Menschen leben nicht wie es Gott gefällt, sie machen was sie wollen und leben in Saus und Braus. Sie denken es würde reichen wenn sie um es wieder gut zu machen im Tempel regelmäßig opfern wie es im Gesetz geschrieben steht. Nicht zum ersten Mal  kündigt Micha im Namen Gottes Gericht an für die Sünden der Israeliten. Aber sie rebellieren und klagen Gott an. Gott als Angeklagter weiß sich zu verteidigen und beschreibt in einem ergreifenden Plädoyer was ihn mit seinem Volk verbindet und sie schon alles zusammen erlebt haben. Er fordert sie auf zu erkennen was er alles für sie getan hat. So viel der Vorgeschichte. Ein Rechtsstreit wie er üblich war. Ein Rechtsstreit der normalerweise Menschen entzweite egal wie der Richterspruch lautete. Doch war es kein Streit der Gott von seinem Volk trennte.  Reuig und kleinlaut klingt nun der Fragende in diesem Letzten Teil, wenn er spricht:
"»Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?«"
Auch solche wird es gegeben haben im Volk Israel, Menschen die erkannt hatten das es falsch ist was sie tun und nicht nur aus Routine opferten sondern um näher zu Gott zu kommen, ihre Beziehung zu ihm zu kitten.
Wer hier fragt ist unklar, ob es nun Micha ist der spricht oder ein von ihm erdachter Mensch. Doch er wagt es Gott anzureden und zu fragen wie es nun weitergehen soll. Er ist erinnert worden durch Gott an das was er mit seinem Volk durchgemacht hat. Er muss erkennen wie falsch vieles war was er getan hat und was dadurch an sogenannter Sünde in seinem Lebenslauf zu finden ist. Er muss sich selbst schmerzhaft eingestehen was er vermasselt hat und wie weit er dadurch entfernt ist von Gott. Von diesem großartigen Gott der in der Höhe ist, in seinen Vorstellungen und doch überall und der von oben mit Gericht aber auch Segen kommen kann. Vielleicht hatte er sich einmal erträumt mit Gott in jeder Sekunde seines Lebens leben zu können, es zu schaffen alle Gebote zu halten und so Gott zu gefallen. Doch er muss einsehen, dass er gescheitert ist. Alle Rebellion gegen das Gericht hat keinen Sinn. Denn Gott hat Recht.
Aber einen Ausweg muss es noch geben und diesen versucht er zu erfragen. Alle Möglichkeiten geht er durch. In sich steigernden Wiederholungen versucht er alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Er beginnt beim üblichen naheliegenden, dem Brandopfer das in die Höhe steigen soll zu einem besonderen Anlass um Gemeinschaft zu haben mit Gott und die Sünden zu bereinigen. Das scheint ihm schon während er die Frage formuliert nicht zu reichen, er steigert sich auf einjährige Kälber, die sind schon wertvoller. Ob er damit wohl zu Gott kommen kann? Es scheint ihm selbst noch zu gering zu erscheinen denn ab jetzt wird er irreal, den Preis den einst Salomo gab will er alleine geben tausend Widder und dazu noch Ströme Öl? So etwas Wertvolles wie Öl? Mehr Geld und Habe könnte niemand Gott geben als all das. Doch er will noch mehr geben, er will es sogar wagen Gottes Gesetz zu übertreten und seinen Erstgeborenen statt ihn im Tempel auszulösen Gott zum Opfer geben. Das schlägt dem Fass den Boden aus! Wie kann man denn bitte sein eigenes Kind anbieten als Opfer? Wie kann man bloß? Reicht es denn nicht das Gott einmal gesagt hat das es nicht nötig ist? Er hat Anspruch auf das beste, ja auch auf den erstgeborenen aber so hat Gott es nie gewollt. Ich finde es enorm was dieser Mensch Gott anbietet und warum?
Er hat erkannt, dass er durch Sünde in seinem Leben getrennt ist von Gott. Er will Gott nahe sein und sich ihn anbeten und Ehre erweisen. Er will Gott so zeigen wie wichtig er ihm ist und das er ihn braucht. Er will Gott zeigen, direkt zeigen, dass er ihm gehört und zu Gott gehört. Das will er so tun wie er denkt dass es das Beste ist. Im Opfer von allem was er hat und geben könnte.
Wo ist da eigentlich die Grenze? Zwischen gutem tun, weil Gott es gesagt hat, gutem tun weil ich es will und gutem tun weil es Gott gefällt? Wo ist meine Motivation bei dem was ich tue? Ist das was ich tue ein Opfer um Gott gnädig zu stimmen? Damit er mich nicht straft? Haben wir dieses denken noch oder wurde das abgeschafft mit der Reformation derer wir heute gedenken? Vielleicht sind es die kleinen Dinge die wir opfern im Wissen das es Gott gefällt. Zeit, Gespräch, ein Lächeln auch wenn uns nicht gerade danach ist. Ich ertappe mich oft dabei, das ich gebe wo ich selbst nichts mehr habe. Da erzähle ich mit jemandem der es braucht obwohl ich keine Zeit habe und im Stress bin oder mache eine gute Miene zu etwas was mich voll anpiept. Im Nachhinein sehe ich es als Opfer. Aber um etwas zu tun um meine Fehler aufzuwiegen?
Gottes Antwort durch Micha greift dort: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." Um näher zu Gott zu kommen, um in Kontakt zu ihm zu kommen und mit ihm zu leben muss der Fragende nicht alles opfern was er sich erdenken kann. Gott spricht ihn direkt und einfach an mit Mensch und damit auch alle anderen die diesen Namen tragen und es sind: Mensch.
Gott erinnert daran, dass er die Lösung schon kennt. Die Antwort kennt er bereits, es wurde ihm gesagt man hat es ihn gelehrt! Durch Mose, Aaron und Micha selbst wurde es ihm abermal gesagt. Er weiß was gut ist. Er kennt den richtigen Weg. Und Gott fordert dies von ihm. Er soll Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein. Oder anders  er soll Gerechtigkeit walten lassen im privaten und im öffentlichen Leben bei allem was er tut die Gebote halten die Gott ihm gegeben hat so wie er auch sich darin üben soll, immer wieder, seine Mitmenschen zu achten und zu lieben und dann im Wissen das er das allein durch Gott kann leben. Eine starke Zusammenfassung Gottes an diesen Menschen der für ein ganzes Volk fragt. Er soll sein Leben neu auf Gott ausrichten und nach Gottes Geboten leben. Gott drängt ihn nicht, er zeigt ihm lediglich den Weg. Ist das unsere Konsequenz? Ist das die Lehre die wir hier heraus ziehen können? Wenn ich tu was Gott offenbart hat dann kann ich zwar meine Sünden nicht loswerden aber ich kann mit Gott leben? Soll das alles sein?
Zum Glück haben wir Micha etwas voraus. Denn das was er sich nur zu prophezeien wagte, haben wir schon bezeugt im Neuen Testament. Jesus, der Sohn Gottes ist in diese Welt gekommen und hat die Menschen gelehrt, so wie es sein Vater schon durch die Propheten wie Micha getan hat. Er hat die Gebote gelehrt und sie durch und durch gehalten und ausgelegt. Viele Geschichten kennen wir in denen Jesus sich mit Menschen auseinander setzt die die Gesetze sehr genau befolgen und tun was Gott geboten hat. Doch diese Menschen haben nicht mit Gott gelebt. Für sie und für uns ist er ans Kreuz gegangen. Er der Sohn Gottes der ohne Sünde war ist gestorben für unsere Schuld. Er hat den schrecklichsten Tod gelitten, als Opfer für unsere Schuld. Und er ist nicht im Grab geblieben er hat wahr gesagt wovon er gesprochen hatte und ist auferstanden! Durch seinen Tod und seine Auferstehung können wir frei leben, frei von der Sünde. Er hat das große Opfer gebracht was der Fragende nie hätte leisten können. Er hat alles gegeben mehr als alle Welt hätte zahlen können, mehr als den Erstgeborenen er der es nicht verdient hatte ist gestorben für unsere Schuld.
Allein aus der Gnade sandte Gott uns seinen Sohn damit er für unsere Sünden zahlt. Gott hat seine Gnade bewiesen und seinen guten Willen mit seinen Menschen gezeigt. Zu Michas Zeiten schon hat Gott diesen Charakterzug bewiesen indem er eben nicht den Reumütigen niedergedrückt hat. In Jesus hat er seine Gnade zu allen Menschen gezeigt. Schon damals sagte er, dass der Mensch nicht opfern muss um zu ihm zu kommen, dass es um etwas anderes geht, damals war es die Forderung nach Gerechtigkeit, Liebe und Demut. Jesus hat diese Worte konkretisiert und sie zusammengefasst wenn er sagt: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. "Jesus sagt nichts davon, dass wir bestimmte Dinge tun müssen damit wir bei Gott sein können, keine großen Taten fordert er, keine Teilnahme am Gottesdienst oder Verpflichtung zum Besuch einer evangelischen Schule. Wir dürfen glauben und Gott lieben mit dem was wir haben und wie wir es können.
Ich bin froh heute zu leben. Zu Michas Zeiten hätte ich es nicht geschafft gegen meine Sünden anzukommen durch Opfer und auch diese geringeren Bedingungen Gottes der Gerechtigkeit, Liebe und Demut wären mir nicht leicht gefallen. Aber ich bin auch froh, dass ich nicht zu Luthers Zeiten leben musste. Eine Zeit in der das opfern lediglich eine andere Form angenommen zu haben schien und die Menschen von Jesus wussten ohne ihn zu kennen. Diese lebten auch in dem Gedanken, dass sie sich Gott nur nähern konnten durch Opfer und Leistungen. So sehr das selbst als Luther den Umbruch formulierte es ihnen schwer fiel wie den Menschen um Micha zu glauben und zu verstehen das es nicht darum geht was man leistet. Das man Gottes Gegenwart nicht erarbeiten oder erkaufen kann. Luther selbst sagte: Dem Evangelium glauben, löset von Sünden.
Das ist der Knackpunkt das Evangelium die frohe Botschaft von Jesus macht frei von Sünden. Wir dürfen glauben und mit Gott leben. Wir brauchen keine Opfer zu bringen um mit Gott zu leben der Preis ist bezahlt.
Nun gilt es dieses Leben zu gestalten. Und auch damit sind wir nicht allein. Ideen wie wir erfüllt leben können und was gut für uns ist finden wir viele in Gottes Wort. Was gut für uns ist: gerecht handeln egal um wen es geht. Auch wenn ein Mensch mich verletzt hat, ihn fair zu behandeln. Nicht zu lügen auch wenn die Wahrheit schmerzt. Gerecht nach Gottes Maßstäben, nach den Regeln die der Spielmacher gemacht hat. Gott gibt uns die Chance immer wieder neu zu üben die Menschen mit liebenden Augen zu sehen, so wie Gott sie sieht, denn er hat sie geschaffen. Den Mann der einen auf der Straße komisch ansieht , die unfreundliche Verkäuferin bei Kaufland  genauso wie meine liebsten Mitmenschen und dabei nicht zu vergessen wem man all das zu verdanken hat. Gott der uns nicht nur die Erde und unser Leben gegeben hat sondern auch noch ein zweites Leben durch Christus. Allein durch Gnade.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!
Amen.